Let’s rock the Fastnet

10. August

First you have to finish

Nach 99 Stunden und 56 Minuten Strapazen haben wir heute die Ziellinie des Fastnet Race 2017 überquert.

Ein denkwürdiger Moment, den für fünf von uns war es das erste Fastnet Race in ihrer Karriere. Entsprechend motiviert durch leicht angeschwitzte Luxuskörper wurden rasch die Duschen in Plymouth aufgesucht und mit den anderen Class 40 Crews geplaudert.

Und natürlich darf das Welcome back Bier nicht fehlen, das durch latenten Elektrolytmangel gleich ordentlich eingefahren ist und für lockere Sprüche sorgte. Es war, derzeit völlig undenkbar, von einer Wiederholung der Teilnahme 2019 die Rede.

Ich möchte mich von Herzen für die coole Zeit am Bord bedanken und bin begeistert vom Einsatz bei Tag und Nacht bei harten Bedingungen…

Paul wünschen wir baldige Besserung und Respekt vor deinem Wunsch, die Sache nicht abzubrechen!

Cu soon bei ÖHM, RPC oder…

Sensation Class 40 Extreme over and out

10. August –  07:03 UTC

Traumhaft kitschiger Tag mit Tücken

Ihr kennt sicher das Gefühl, das sich einstellt, wenn ihr eurer Freundin nach langem Kampf gegen widerspenstige Küchenmaschinen, krumme Karotten, unfaltbare Servietten und unknetbare Backmischungen das heiß ersehnte Abendmahl serviert und… Es ist der Himmel.

Ja so fühlten wir uns heute als wir den 210 m2 Gennacker am Fastnet Rock setzten, das Boot sofort beschleunigte und wir mit 12-14 Knoten Richtung Bischops Rock abbogen. Es ist der Himmel. Wolkenloser Sternenhimmel, der Vollmond geht gerade auf und die Stimmung nach den Strapazen beinahe ausgelassen.

In der Tat ging heute beinahe alles glatt… Bis auf den massiv vertörnten Gennaker, der sich mehrmalig um die eigene Achse zu einem luftdichten Ballon in acht Metern Höhe formte und unsere Lösungsvorschläge süffisant belächelte. So dauerte es eine Ewigkeit den Sack über den Spi zu ziehen, alles zu Bergen, neu zu packen und wieder zu setzen…

Das gute, oder auch schlechte am heutigen Tag waren die erstaunlich hohen Temperaturen die die Jungs nach dem Bergemanöver sofort nutzen um nach drei Tagen aus dem feucht und immer wieder leicht angeschwitzen Ölzeug zu schlüpfen. Super atmungsaktive Membranen oder nicht, unser Duft war atemberaubend 😉

Lediglich Fu zieht sein Ding durch: „Ausgezogen wird sich erst nach der Regatta!“ und Ute hat sich heute die Feuchttücher gekrallt und sich danach vom strengen Burschen Duft doch deutlich abgehoben.

Bischops Rock ist bald erreicht und wir dann nur noch einen achtstündigen Halbkurs vom Ziel entfernt.

All fine here and stay tuned

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8. August

Breaking News von der Sensation Class40

Der Tag begann mit Nordwest-Wind und einer, denken wir, recht guten Passage der Verkehrstrennungsgebiete, die im Weg lagen. Die Irische See ist berüchtigt und unberechenbar und dieses Mal recht gnädig wenn auch nicht ganz wohl gesonnen denn der Südwestwind dreht genau bei Lands End auf einen Nordwest damit wir die Passage zum Fastnet Race auch wirklich in vollen Zügen und kreuzend genießen können.

Das erste Deja-vu hatte ich beim checken der zu erwartenden Etmale mit unserer Expedition Routingsoftware. Die geplante Ankunft am Rock war … dreimal dürft ihr raten … wieder in den Nachtstunden. Verflixt denn wenn das tatsächlich so eintrifft war ich zum dritten Mal am Fastnet Rock und hab ihn noch nie bei Tageslicht gesehen … der (nicht mit der Crew abgestimmte) Geheimplan sieht ein Ankermanöver an der Südseite des Fastnet Rock vor damit ich ihn eeeeennnnndddlllliiiccchhh mal bei Tag sehen darf, nicht nur das an Darth Vader erinnernde Lichtschwert des Leuchtturms.

Ich fürchte jedoch, dass das auch diesmal nichts wird … mal schauen.

Heute morgen kam wieder einmal die Toiletten-Frage per Nachricht auf’s Boot und ich muss gestehen, dass es schon beim Fastnet vor zwei Jahren nicht einfach war – heuer ist das Klogehen aber eine echte Challenge. Man stelle sich vor, die Standard-Klobrille einer Bordtoilette wie wir sie vor zwei Jahren hatten auf rund 8 mm Breite zu reduzieren. Auch die Verschraubung der Toilette mit dem Bordrumpf löst ihr gedanklich mal und stellt euch den salznassen Boden der Class40 matschig und rutschig vor.

 

Lange Rede kurzer Sinn, unsere Toilette läßt sich mit einem Baumarkt-Eimer tadelos kopieren und mittlerweile haben sich, wie ich gehört habe, zwei Strategien herauskristallisiert:

  1. Den Kübel in einer der Ecken der Spanten einklemmen und auf ein Wellen-Set warten, dass dich bestimmt vom Kübel schmeißt. Das Set kurz abwarten, abdrücken um es dann noch vor dem nächsten Monster Set nach draussen zu schaffen und den Kübel zu entleeren. Das Toilettpapier kommt dann zwischen Set 3 und 4.
  2. Für die Artisten unter uns war es sogar möglich, frei stehend den Kübel an den Hintern zu pressen und zu hoffen, dass dem Rudergänger gerade nicht in dem Moment des Abdrückens die Augen zufallen und er mit 8,4 Knoten in die nächste Welle knallt. Dann noch schnell nach draussen und entleeren.

Ich bin noch nicht sicher, was besser ist und warte noch ein wenig ab … es sind ja nur noch rund 35 Stunden bis ins Ziel!

Die Breaking News darf ich natürlich nicht vergessen … heute 12:31 und 13:42 mussten wir die Auflösung beider Traveller-Enden zur Kenntnis nehmen. Die Aluschiene hat dem Druck der Großschot nicht stand gehalten und ist gebrochen. In einer  recht flotten Reparaturaktion konnten wir die Umlenkung wieder soweit möglich herstellen und weiter geht’s …

Wir zählen die Minuten bis zum Rock und genießen mal ein Bier (zu fünft).

Greets,

Chris

P.S.: Hat jemand Philippes Brillen gesehen? Oder meine Haube? Oder Christians Handschuh? Oder wo sind überhaupt die Wasserflaschen hingekommen?

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7. August – 20:30 UTC

Fastnet Race live – Die Tücken des gefürchteten Fastnets.

Gegenüber dem gestrigen Abend war es heute etwas ruhiger und die  Tücken des Fastnets auch schon langsam bekannt. Tücke eins war die Unordnung an Bord. So wurde nächtens ein Socken gesucht, eine Brille tauchte zwischen gestackten Segelsäcken auf und dann war da noch die verdammte Ähnlichkeit zwischen Cola- und Bierdose, die interessante und intensiv überraschende Geschmackserlebnisse lieferte. Bis zum Ausspucken (warum auch immer) war alles dabei.

Der Tag begann dann noch mit etwas Druck, wobei Druck auch bei einer Class40 erst ab 7-10 Knoten zu spüren ist. Das Problem mit der Höhe haben wir noch nicht im Griff. Leider verlieren wir auf der Kreuz viele Meter, trotz Optimierung des Gewichts, mit und ohne Ballast … hoffe das wird besser.

Wurde es nicht,… und die Vermutung liegt nahe, dass der mittlerweile vermisste Speibkübel sich unabsichtlich an den Kiel geheftet hat. Michael weigerte sich aber, in der nachmittäglichen Flaute dem Mysterium auf den Grund zu gehen und wacker mit dem Shorti in den N-Atlantik zu springen … Lieber Michi, beim nächsten Schnick-Schnack-Schnuck bist du fällig *ggg*

Der Druck wurde auch untertags nicht mehr und so warteten wir brav mit zwei drei anderen Class40’s auf die nächsten Windfelder … links kam einer … rechts kam einer … dann wieder links von uns … und einer ganz unter Land … wir konnten das echt gut beobachten. Leider wurden die beiden Class40’s irgendwann kleiner und wir durften weiter auf unsere Privatböe warten …

Schließlich wurde es gegen 19:00 Uhr wieder mal spannend als wir mit 1,7 Knoten Strom (rückwärts) auf einen mit Flüssiggas beladenen Frachter trieben und nur eine verzweifelte Wende mit Backhalten der Fock uns davon wieder befreite …

Sodala … kann nur besser … nein schneller werden. Derzeit wieder Code5 gesetzt und ab die Post zum legendären Lizard Point … der Landmarke der Transatlantik-Rekorde …

Stay tuned, eure Sensational Crew

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7. August – 04:30 UTC

Fastnet Race live – Das mit dem Bananenriegel

Leider hab ich gestern durch den langen Tag die Ursache für den Mageninhaltsverlust vergessen zu erwähnen. Irgendwie kam es mir nämlich spanisch vor, dass Paul jeden von uns nach Bananenbrotriegeln fragte. In Wahrheit war das eine Fangfrage, um rauszufinden, wer von uns seinem Magen böses tun wollte. Die Ursache für das Unwohlsein war sicher nicht die extreme Bewegung im Boot sondern ein Banenbrotriegel, der ihm verabreicht wurde 🙂

Böse Zungen behaupten, dass er ihn selbst in einem der Packsäcke von Marc Lepesqueux gefunden hat und nachdem das Boot schon vier Jahre auf dem Buckel hat …

*ggg*

 

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6. August – 21:50 UTC

Fastnet Race live – „Hast du mir den Bananenriegel gegeben?“

Nach einem letzten Einkauf, da das Gas für Trockenfutterzubereitung aus war, ging es erstmal durch das Sicherheitsgate bei dem alle Yachten Sturmsegel und Segelnummern präsentieren mussten.

Der Start zu einem Fastnet Race ist dann wohl eines der Highlight seines Seglerlebens. Umringt von Helikoptern startet das Race direkt vor dem Yacht Club Cowes unter adeliger Prominenz. Zuerst starteten die Multihull, danach IMOCA und Class40 und anschliessend die IRC Klassen.

Wir waren also ganz am Anfang dabei und durften mit lässiger Hand Alex Thomson und Paul Meilhart grüßen, die sich gleich hinter uns an der Linie aufgestellt hatten. Leider nur kurz weil die Beschleunigung eines foilenden 60ers zwar annähernd so gut ist wie mit unserer Class40, allerdings ist die Endgeschwindigkeit doch etwas höher. 😊

Wir machten das beste draus und winken die IMOCAs freundlich und seemännisch durch.

Der Solent begeistert uns mit 20 knoten aus SW und steiler, brutaler Welle. Die Fights in der Class40 Gruppe waren eng und fair und ein falscher Schlag und 1 Knoten weniger Strom zeigten gleich, worauf man bei der Wahl der Schläge nicht geachtet hat.

Aktuell sind wir bei Portland vorbei und im Mittelfeld. Während ich da sitz, geben sich Ute und Paul den Kübel in die Hand, da die Welle extrem kurz und hart ist. ☹

Gute Nacht und bis morgen!

Sensation Class40 over and out!

http://www.rolexfastnetrace.com/2017-fleet-tracking-race-player

 

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5. August – Erlebnisbericht vom Fastnet Race 2017 – Die Vorbereitung

Nach intensiven Reparaturarbeiten vor dem Rennen, das Boot kollidierte kurz zuvor mit einem Frachter, legten wir am Freitag in Dielette ab um die Class40 FRA140 „Sensation Class40 Extreme“ in den Solent zu überstellen.

Mit riesigem Großsegel und Fock ging schon mal ordentlich die Post ab und bei 12-15 Knoten Wind aus Weste surften wir immerhin 11 Knoten. Problem war nur, dass das die Fahrt durchs Wasser war und nicht über Grund. Da waren es leider rund um das gefürchtete Alderney Race nur 3 Knoten Fahrt über Grund … grrrr.

So dauerte die für 6-7 Stunden geplante Überfahrt doch noch 11 Stunden und verhinderte das gemütliche Ausschlafen vor dem Trainingstag. Die Nachtfahrt ging somit nahtlos in den Trainingstag über 🙂

Im Solent warteten schon Ute, Paul und Fu um endlich an Bord des scharfen Racers zu gehen. Somit war unsere Crew Samstag morgens komplett und besteht nun aus:

  • Christian, Infopoint von A wie „Aufräumen“ bis Z wie „Zusammenräumen“
  • Michi, steuergeiler 29er Crack
  • Philippe (FRA), Übersetzungsbüro für diverse nicht entzifferbare Beschriftungen an Bord
  • Ute, Girlpower an Bord und Speed Queen vor der die Winschen das Fürchten lernen
  • Paul (NED), bester Freund, seit dem er den PC zum Laufen brachte
  • Fu, Kung Fu Panda für die groben Dinge an Bord und feinfühlige Navigation an Bord

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Start heute Sonntag 12:10 Uhr CEST

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